Farbleitsystem zur besseren Orientierung und Inklusion an der Europaschule Alexander-von-Humboldt-Schule in Rüsselsheim

Dejan Pavlovic

Die Schule

Die Alexander-von-Humboldt-Schule in Rüsselsheim wurde als Haupt- und Realschule 1972 gegründet und 1982 in eine Integrierte Gesamtschule umgewandelt. 1993 wurde die Schule zu einer Ganztagsschule mit pädagogischer Mittagsbetreuung erweitert. Seit 1995 ist die Alexander-von-Humboldt-Schule in das Programm der Europaschulen des Landes Hessen eingeweiht. Die Gesamtschule ist eine der größten Schulen in Rüsselsheim und seit Sommer 2020 ist der Neubau an der Schule fertig gestellt worden. Ein Interims-Containerbau für den Schulbetrieb wird es ermöglichen, dass das Hauptgebäude saniert bzw. modernisiert werden kann. Dieses wird bis 2022 fertig gestellt sein.

Schulen sind organische Gebäude. Es wird immer umgebaut und angebaut.

Die Planung

Der dreigeschossige Neubau wurde nötig, da die Anzahl der Schüler in den letzten Jahren angewachsen ist und die Räumlichkeiten somit benötigt werden. Dabei wurde bei der Planung auch die Sicherheit an Schulen und die in Zukunft eingeplante Inklusion (Barrierefreiheit) mit berücksichtigt. Da das Farbleitsystem zur Orientierung an Schulen in Rüsselsheim schon seit 2011 flächendeckend installiert wird, war das FLS auch hier in der Anfangsphase Gegenstand der Planung.

Wir haben mit den Planern die Raumnummern und auch die Farbbereiche definiert, damit auch später bei der Bauplanung die Farbkonzepte miteinander stimmig sind. Der Neubau bekam durch das Farbleitsystem die Farbe Orange, wobei die jeweiligen Bauabschnitte mit unterschiedlichen Buchstaben bezeichnet wurden.

Da der Bau in drei Blöcke geteilt ist, wurde jeder Block mit einem eigenen Buchstaben versehen. Dabei haben wir darauf geachtet, dass sich im gesamten Gebäude die Raumnummern niemals wiederholen. Dadurch kann im Krisenfall eine unvollständige Informationsübermittlung den Helfern es dennoch möglich sein den Einsatzort zu lokalisieren.

So haben wir für das gesamte Gebäude
• eine Farbe, die den Neubau definiert
• drei Buchstaben, die jeweils einen Gebäudeteil bezeichnen
• eine Nummer, die im gesamten Gebäude nur einmal vorkommt und einen genauen Raum bezeichnet.

D.h. wenn im Notfall nur einer dieser Informationen übermittelt werden würde, können die Rettungskräfte oder gegebenenfalls die Polizei gezielt und sicher den jeweiligen Ort aufsuchen. Jedes der Informationsfragmente gibt den Rettern einen Hinweis, wo der Ort ist, um zu helfen. Gerade bei Amok-Fällen oder terroristischer Bedrohung wird hierbei für die Sondereinsatzkommandos ein System genutzt, dass in Bedrohungslagen einen Zeitgewinn bedeutet und demzufolge auch Leben retten kann.

Farbe, Buchstabe und einmalige Raumnummer als sichere Informationsfragmente, um zuverlässig den jeweiligen Ort zu finden, wo Hilfe benötigt wird.

Inklusion und Barrierefreiheit wird in Schulen in Rüsselsheim bei Neu- und Umbauten mit eingeplant

Die Alexander-Humboldt-Schule ist die erste Schule, die neben dem Farbleitsystem auch ein Konzept zur Orientierung und Informationsübermittlung bei/für Barrierefreiheit eingeplant hat. Neben den üblichen Einrichtungen, wie beispielsweise Fahrstuhl, gut erkennbare Türen, niedrige Türgriffe (wobei diese zur Diskussion stehen) wurde an der Schule auch die Braille-Beschriftung an Türen gewünscht, die die Raumnummer und die jeweilige Funktion des Raumes für Blinde und Sehbehinderte lesbar macht.

Es ist ein Pilotprojekt, dass zunächst an den Neubauten in Rüsselsheim getestet werden soll, um zu schauen, wie es angenommen wird und ob es sinnvoll ist. Neben der Alexander-von-Humboldt-Schule wird auch die Sophie-Opel-Schule in den Neubauten die Braille-Beschriftungen auf den Türmarkern erhalten.

Viele Schulen in Hessen planen barrierefreie Schulen, aber ohne die Blinden zu berücksichtigen, da der Mehraufwand und die Anzahl der Blinden an Schulen dies nicht rechtfertigen.

Einfache Lösungen, die frühzeitig geplant werden, sind günstiger und effektiv.

Klug und günstig

Die Idee, schon frühzeitig Konzepte für die Inklusion an Rüsselsheimer Schulen zu planen, finden wir sehr vorausschauend. Es ist immer gut eine Lösung zu haben, bevor ein Problem auftritt, um einerseits schnell zu reagieren und andererseits vorab zu wissen, wie man dies günstig umsetzen kann. Generell muss keine Schule 100% barrierefrei sein, sofern dies nicht erforderlich ist. Doch in der Regel zeigt es sich, dass gerade, wenn dieser Bedarf eintritt und man kein Konzept vorab erstellt hat, Kosten entstehen, die um ein Vielfaches höher sind, als ohne vorausschauende Planung.

Unser Ansatz ist immer, dass wir langfristige und pragmatische Lösungsansätze anbieten und für alle möglichen Fälle flexibel bleiben. Bodenindikatoren, taktile Tafeln oder auch akustische Hilfsmittel können jederzeit nachgerüstet werden, sofern man dies beim Neu- bzw. Umbau vorab berücksichtigt hat. Denn Barrierefreiheit ist nicht teuer, sofern man weiß, worauf man bei der Planung achten muss.

Die Kosten für eine gute vorausschauende Planung bei der Barrierefreiheit sind bei knappem Haushaltsbudget ein großes Sparpotenzial für die Zukunft.

Heute bis 2022

Die Alexander-von-Humbodlt-Schule wird voraussichtlich bis 2022 im Hauptgebäude Umbaumaßnahmen haben. Zeitgleich werden wir das Farbleitsystem an der Schule komplett fertiggestellt haben. In diesem Fall dauert eine Planung bis zur Fertigstellung mehrere Jahre. D.h. aktuell wissen wir nicht, wie es in zwei Jahren aussehen wird und ob die Braille-Beschriftung an den Türmarkern Sinn macht. Trotzdem ist es diesen Versuch Wert, ausprobiert zu werden, da der Nutzen die Kosten um ein Vielfaches überschreitet. Da die Braille-Beschriftung auf den Türmarkern angeklebt ist, können wir gegebenenfalls diese entfernen und zum Beispiel gegen QR-Codes ersetzen.

Das Farbleitsystem bleibt in jeder Hinsicht flexibel und nachhaltig.

Dejan Pavlovic
Über Dejan Pavlovic Designer, Media Consultant, Business Angel
Seit 1994 entwickele ich als Designer für Unternehmen nach dem Prinzip der “10 Heuristiken” Userinterfaces, Webseiten und Informationssysteme. Mein Schwerpunkt liegt hier in der Optimierung der grafischen Benutzung und der einzelnen Arbeitsschritte innerhalb einer Anwendung. Ich verwende alle gängigen Softwarepakete und scheue mich nicht neue Technologien einzusetzen und damit auch neue Wege zu beschreiten. Mittlerweile betreue ich Projekte (Branding, Design, Software) in ganz Deutschland, Schweiz, Österreich, Serbien, China und in den USA.