FLS – MODULE
08.09.19 autorDejan Pavlovic

Das Leit- und Orientierungsystem an der Hochschule Rhein-Main in Rüsselsheim könnte besser sein

Jeder große Hochschulcampus benötigt eine Orientierungsführung, die Studenten und Besuchern sicher und zuverlässig den Weg weist. An der Hochschule Rhein-Main wurde dies versucht, aber wahrscheinlich aus Kostengründen oder auch aus fehlender Erfahrung nicht optimal umgesetzt. Obwohl das Leitsystem auf dem Campus die benötigten Komponenten im Außenbereich hat, haben diese zum Teil gravierende Mängel. Viele Elemente sind unzureichend ausgearbeitet, schlecht positioniert oder fehlen zum Teil.

Wir werden in diesem Artikel aufzeigen warum und mögliche Lösungsansätze vorschlagen.

Leitsysteme sollten informieren und gut erkennbar sein.
Orientierungstafel an der Hochschule Rhein-Main in Rüsselsheim am Main

Als erstes sieht man die Orientierungstafel

Im Allgemeinen ist die Orientierungstafel der erste Eindruck eines Leitsystems auf einem Gelände. Sie sollte sich für einen Laien als informative und gut organisierte Orientierungshilfe darstellen. Es ist immer positiv, dass ein öffentliches Gelände Orientierungstafeln als erste Informationshilfe hat.

Positiv an der Tafel der Hochschule Rhein-Main ist der Standort, der von Weitem gut sichtbar und auch uneingeschränkt erreichbar ist. Die reduzierte Darstellung der Gebäude und Wege ist ein weiterer Aspekt, den wir sehr gut finden. Die Legende ist gut platziert und man erkennt sehr gut die barrierefreien Zugänge, die sowohl rechts in der Legende beschrieben werden, als auch auf dem Geländeplan angebracht wurden.

Farbbereiche
Die klare Schwäche an der Darstellung ist die Farbgebung der Gebäudeteile. Wir fragen uns, warum man die Farbe Rot als einziges Farbelement verwendet hat. Natürlich heißt unser Leitsystem nicht ohne Grund Farbleitsystem, wo die jeweiligen Gebäudeteile mit einer spezifischen Farbe gekennzeichnet werden. Somit kann man die Gebäudestrukturen und die jeweilige Aufteilung der Bereiche besser differenzieren. Dies hätte auf jeden Fall bedacht werden müssen, um weit mehr Informationen mit geringem Aufwand darstellen zu können. Gerade Gebäude A wird in zwei Bereiche (Süd und Nord) getrennt. Die klare Trennung des Gebäudes ist aber leider nicht ersichtlich. Man hat den Süd- und Nordflügel beschriftet, aber den linken Teil vielleicht West-Teil nennen müssen. Allgemein begreifen wir nicht, was bei dieser Ausführung vorab besprochen und warum es so umgesetzt wurde.

Piktogramme / Barrierefreiheit
Wenn man sich den Plan anschaut, wird schnell klar, dass besonders die Barrierefreiheit an der Hochschule Rhein-Main einen sehr hohen Stellenwert hat. Wir wollen das nicht entkräften, aber betrachtet man die Farbkontraste bzw. die Legende, erkennt man, dass auch hier grundsätzlich einiges übersehen und falsch umgesetzt wurde. Beispielsweise gibt es in der Legende das Symbole „Zugang nicht barrierefrei“, das auf dem Geländeplan nicht verwendet wurden. Auch wirkt der Plan durch die größere Anzahl an Piktogrammen sehr überladen. Nach userer Betrachtungsweise hat der Lageplan deutliche grafische Mängel.

Kontraste sind wichtig, um Elemente besser voneinander unterscheiden zu können.
Orientierungstafel an der Hochschule Rhain-Main im Detail

Kontrastarm
Gerade wenn man vor hat die barrierefreien Zugänge und Hilfen auf einem Plan für mobile eingschränkte Personen anzuzeigen, sollte man Leute mit Einschränkung der visuellen Wahrnehmungsfähigkeit ebenso mitberücksichtigen. Die Informationselemente auf dem Plan sollten immer gut erkennbar sein.

Beispielsweise sind die Eingangspfeile nicht gut zu erkennen. Erst auf den zweiten Blick, wurde uns ersichtlich, dass auf den roten Gebäudeflächen die Eingänge gezeichnet sind. Entweder hätte man diese Pfeile vor den Gebäudeteilen anzeigen müssen oder zumindest helle Pfeile auf dunkler Fläche wählen sollen, um einen besseren Kontrast zu erzeugen.

Elemente auf den Orientierungstafeln sollten auf dem tatsächlichen Areal weiterverwendet werden.

Außenbeschilderung ist Mangelware

Wir haben leider vergebens auf den Parkplätzen nach einer Beschilderung gesucht, die auf der Orientierungstafel vorgegeben wurde. Es wurden Kennzeichnungen im Plan dargestellt, die dann auf dem Gelände leider nicht weiter verwendet wurden und somit letztlich für den Besucher keine Hilfe sind. Dies sollte auf jeden Fall nachträglich ergänzt werden, damit klar erkennbar ist auf welchem Parkplatz man sich befindet.

Grün in Grün die Außenbeschilderung für Gebäude B

Farblich passt die Gebäudekennzeichnung gut zum Umfeld. Nur irritiert uns trotzdem die Farbwahl des Schildes. Offensichtlich war diese Beschilderung vor der Orientierungstafel platziert worden. Das sieht man einerseits an den abblätternden Buchstaben als auch am Nichtbezug zum Orientierungsplan. Eine Neubeklebung des Schildes ist nicht kostspielig, aber erhöht den Wert und die Wahrnehmung des Leitsystems an der Hochschule Rhein-Main deutlich. Der Eintrachtaufkleber, gehört sicherlich nicht zum Leitsystem und hätte schon längst entfernt werden sollen.

Eingangstor mit grüner Beschriftung.

Das Gleiche in Grün
Hier finden wir das Grün wieder. Aber jetzt im Eingangsbereich. Diese Darstellung irritiert den Besucher. Denn wir finden hierbei keine Gebäudekennzeichnung. In diesem Fall wäre es das Gebäude „B“. Auch sollte man die Beschilderung in Rot halten, da dies auch auf der Orientierungstafel so genutzt wurde. Außerdem ist die Bezeichnung nicht verständlich. Wir denken, dass dies für die interne Kommunikation verwendet wird und für den Besucher nicht relevant ist. Trotzdem ist es ungünstig, Leitsysteme und deren Funktionen zu mischen und somit nur einem bestimmten Nutzerkreis Informationen zugänglich zu machen.

Es darf in der Regel nur ein einziges Leitsystem geben, dass für alle verständlich ist.

Falsche Positionierung und Dimensionen

Gerade die richtige Position und gewählte Größe der Beschilderung wird in diesem Fall nicht beachtet. Man unterschätzt oft die Spiegelungen der Scheiben. Wichtige Informationen sollten auch von der Ferne gut erkennbar sein. Dunkel gehaltene Beschilderungen in schlecht belichteter Umgebung reduzieren noch weiter die Erkennbarkeit des Schildes.

Die Gebäudebezeichnung ist kaum zu sehen.

Spiegelung
Erkennen sie das Schild hinter der Scheibe? Natürlich können Sie das „B“ erkennen, weil ich Sie darauf aufmerksam gemacht habe. Nur, dass diese Kennzeichnung nicht an allen Eingängen auf dem Campus angebracht wurde. Die Spiegelung ist störend und die Größe des Schildes ungeeignet. Gebäude- und Eingangskennzeichnungen sind Grundelemente eines Leitsystems. Immer zu wissen, in welches Gebäude man eintritt und welchen Eingang man benutzt, sollte ein gutes Leitsystem ausmachen. Hier wurde nur ein Buchstabe an die Tür geklebt und niemand weiß warum.

Spieglung des Buchstaben "B"

Die Spieglung ist hierbei gut erkennbar. Man sollte die Beschilderung mindestens auf 30 x 30 cm vergrößern und an der Außenfassade anbringen. Beim Eingang sollte man die Kennzeichnung des Eingangs anbringen. Wenn Sie nun einen Besucher leiten wollen, müssten sie diesem einerseits mitteilen in welches Gebäude er geht und auch welchen Eingang er gerade nimmt, damit er im Anschluss weiter zu einem bestimmten Raum geleitet werden kann. Das wäre optimal.

Kennzeichnung des Gebäudes und Kennzeichnung des Eingangs sind Grundelemente, die alle Leitsysteme haben müssen.
Barrierefreier Zugang im Gebäude B

Keine Gebäudekennzeichnung
Wir haben einen barrierefreien Zugang gefunden, der nicht gekennzeichnet wurde und wir wissen auch nicht um welches Gebäude es sich handelt. Natürlich könnte man sich dies auf der Orientierungstafel merken. Trotzdem ist es hilfreich, wenn der Besucher eine Bestätigung bekommt, um welches Gebäude es sich handelt.

Allgemein
Wir haben uns an der Hochschule Rhein-Main nur den Außenbereich angeschaut. Natürlich finden wir es toll, dass der Campus zumindest versucht ein Leitsystem einzuführen. Die Umsetzung ist zwar noch nicht geglückt, aber es gibt Potenzial zur Verbesserung, um tatsächlich als Leitsystem bezeichnet werden zu können. Ansonsten ist es erst einmal nur ein Versuch, die barrierefreien Zugänge auf dem Campus zu kennzeichnen. Was aber leider nicht zu 100% geglückt ist.

Dejan Pavlovic
Über Dejan Pavlovic Designer, Media Consultant, Business Angel
Seit 1994 entwickele ich als Designer für Unternehmen nach dem Prinzip der “10 Heuristiken” Userinterfaces, Webseiten und Informationssysteme. Mein Schwerpunkt liegt hier in der Optimierung der grafischen Benutzung und der einzelnen Arbeitsschritte innerhalb einer Anwendung. Ich verwende alle gängigen Softwarepakete und scheue mich nicht neue Technologien einzusetzen und damit auch neue Wege zu beschreiten. Mittlerweile betreue ich Projekte (Branding, Design, Software) in ganz Deutschland, Schweiz, Österreich, Serbien, China und in den USA.

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