Martin-Buber-Schule in Groß-Gerau erhält das Farbleitsystem nach 10 Jahren

Dejan Pavlovic
Außentafel an der Martin-Buber-Schule

Nach der langen Verzögerung durch die Corona-Pandemie wurde nun eine Woche vor den offiziellen Sommerferien 2022 das FLS an der Martin-Buber-Schule installiert. Schon 2012 hatten wir hier den Neubau mit dem Farbleitsystem ausgestattet. Dass es nun 10 weitere Jahre gedauert hat bis das FLS komplett umgesetzt werden konnte, lag vorwiegend daran, dass der Schulträger erst andere größere Schulen mit dem Orientierungssystem ausstatten wollte. Insbesondere die Beruflichen Schulen in Groß-Gerau und weiterführende Schulen. Auch kamen die Schulen mit geplanten Baumaßnahmen vorrangig zum Zug, da hier die Umstellung der Raumnummerierungen automatisch nötig wurde und wir bereits in den Planungsphasen unterstützend involviert waren.

2012 wurde der Neubau mit dem FLS ausgestattet und 10 Jahre später die restlichen Gebäuden.
Türmarker an der Martin-Buber-Schule
Türmarker an der Martin-Buber-Schule
Türmarker an der Martin-Buber-Schule

Prioritäten bei der Installation des Farbleitsystems in Groß-Gerau

Natürlich macht es Sinn erst die großen Schulen mit dem Leitsystem auszustatten, da hierbei die Orientierung für Außenstehende um einiges hilfreicher ist, als in kleinen Grundschulen. Deswegen wurden in den ersten Jahren vorwiegend die großen Gymnasien, wie zum Beispiel das Gernsheimer Gymnasium, Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf, Werner-Heisenberg-Schule in Rüsselsheim oder auch die Anne-Frank-Schule in Raunheim, mit dem Farbleitsystem ausgestattet. Auch spielten die Polizei und Rettungsdienste eine entscheidende Rolle, da gerade bei den größeren Schulen eine gute Orientierung und Planung für Krisensituationen von entscheidender Wichtigkeit sind.

Danach folgten Schulen, wo geplante Umbaumaßnahmen bzw. Neubauten stattfanden. Hierbei wurde das Farbleitsystem sehr früh in die Planung mit einbezogen, damit das vorgegebene Farbkonzept des Leitsystems auch von den Architekturbüros berücksichtigt werden konnte. Hierbei kann man als gute Beispiele die Prälat-Diehl-Schule in Groß-Gerau, die Gustav-Heinemann-Schule oder auch das Neue Gymnasium, beide in Rüsselsheim, erwähnen. Wir haben im Vorfeld die Raumnummerierungen und Farbbereiche festgelegt, die für das FLS-Konzept vorgenommen werden müssen. Danach war es die Entscheidung der jeweiligen Planer und auch des Schulträgers, ob dieses Farbkonzept auch bei der architektonischen Gestaltung aufgenommen werden soll.

Schließlich wurde unser Farbkonzept bei der farblichen Gestaltung der Türblätter und auch zum Teil bei den Wandfarben und der Außenfassaden übernommen. Natürlich liegt die Möglichkeit der Integration des FLS ins Architekturkonzept auch daran, welche Farbbereiche vorkommen und ob diese ohne Probleme zur Gesamtgestaltung passen. Das Farbleitsystem hat neben den Grundfarben Rot, Gelb und Blau auch andere Farben vorgesehen, wobei im Hauptgebäude selten mehr als drei Farben möglich sind. Oft wurden etwas abweichende aber passende Farben zu unserem Farbleitsystem verwendet, um keine monotone Farbgebung zu erzeugen.

Zuerst wurden große Schulen mit dem FLS ausgestattet. Dann Schulen, die Neu- oder Umbauten hatten.
Türmarker an der Martin-Buber-Schule
Türmarker an der Martin-Buber-Schule

Ein Schulgebäude weitere 7.000 Mal

Die Martin-Buber-Schule ist ein Gebäudetyp von 1972, der in Deutschland rund 7.000 Mal gebaut wurde. Der Schulträger hat von dieser Gebäudeform sogar mehrere im Landkreis. Darunter ist die Anne-Frank-Schule in Raunheim, die IGS Mainspitz in Ginsheim und die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf. Auch die benachbarten Schulträger in Wiesbaden und im Main-Taunus-Kreis haben diesen Typ von Schulgebäuden mehrfach im Portfolio.

Gerade in den 70-igern war der Bedarf an Schulneubauten sehr wichtig und dringend, was zu pragmatischen Lösung führte. Einmal planen und dann in den nächsten 10 Jahren ca. 7.000 Mal nachbauen.

Heute sieht es zum Glück etwas anders aus. Die Schulbauten sind mittlerweile etwas individueller geworden und passen sich, wenn es die Möglichkeiten zulassen, der Umgebung und der vorhandenen Erschließung an. Glücklicherweise werden die gewünschten Anforderungen zu Räumlichkeiten, Lernzonen, Sanitäranlagen und auch immer mehr der Bereich Inklusion und Barrierefreiheit nicht ignoriert. Auch ändert sich die Schulpädagogik und die Anforderungen, die in den 70-igern noch nicht zu erkennen waren. Gerade der Ganztagsbereich und die Sicherheitskonzepte an Schulen erfordern viele Umbaumaßnahmen beim Altbestand, wo auch das typische „T“-Gebäude, was ca. 7.000 Mal gebaut wurde, nicht „verschont“ bleibt.

Die 70-iger prägten die Schulbautypologie
Türmarker an der Martin-Buber-Schule
Türmarker an der Martin-Buber-Schule
Türmarker an der Martin-Buber-Schule

Schulen werden immer wieder neu erfunden

Gerade der Altbestand, wie die Martin-Buber-Schule, hat schon viele Sanierungen und Umbaumaßnahmen erlebt. 2011 wurde der letzte Neubau auf dem Schulgelände errichtet. Weitere Umbaumaßnahmen oder Anbauten werden sicherlich folgen. Dadurch werden diese sogenannten T-Bauten mit der Zeit immer komplexer und größer, was letztlich zur Folge hat, dass wir das alte Baukonzept der 70-iger wahrscheinlich in einigen Jahren nicht mehr erkennen werden.

Umbaumaßnahmen sind an Schulen normal.

Nach 10 Jahren sind wir nun mit dem Farbleitsystem angekommen

Wie in den ersten Zeilen erwähnt, hat die Installation des FLS an der Martin-Buber-Schule länger gedauert als geplant. Der Neubau von 2011 hatte das FLS bereits von Anfang an. Danach kamen andere Schulen eher zum Zug. 2020 kam die Corona-Pandemie, was dazu führte, dass die Martin-Buber-Schule einige Zeit als Impfzentrum für den Landkreis Groß-Gerau diente. Erst als das Impfzentrum wieder abgebaut war, hatten wir ab März 2022 die Möglichkeit, die Konzeption fortzuführen und kurz vor den Sommerferien zu installieren.

Eingangsbereich an der Martin-Buber-Schule
Neue Schulleitung, neues Leitsystem

Neue Schulleitung ab Schuljahr 2022/23

Nach den Sommerferien 2022 wird eine neue Schulleitung in der Martin-Buber-Schule erwartet. Dies ist ein guter Zeitpunkt für die Installation des FLS, da gerade solche Veränderungen auch innerhalb der Schule den Umstieg auf das Farbleitsystem unterstützen. Denn es ist nicht nur, dass wir Türmarker und Schilder innerhalb des Schulgebäudes anbringen, sondern auch eine Umorganisierung der Raumnummerierung vornehmen mussten. Für alt eingesessene Lehrkräfte wird somit eine Umgewöhnungsphase nötig sein. Aber wir sind zuversichtlich, dass dies ganz schnell vorübergeht, da wir uns mit den Verantwortlichen viele Gedanken gemacht haben, eine logische und einfache Nummerierung der Räume zu planen.

Außentafel an der Martin-Buber-Schule

Farbleitsystem an der Martin-Buber-Schule in Zahlen

Die Installation des Farbleitsystems hatte insgesamt 2 Tage gedauert, wobei die Planung und Konzeption mehrere Wochen benötigte.

• Zwei Außentafeln auf dem Gelände montiert
• 590 Türen mit Türmarkern versehen
• 135 Oberlichter und Wandflächen wurden mit entsprechenden Schildern ausgestattet

Über Dejan Pavlovic Designer, Media Consultant, Business Angel
Seit 1994 entwickele ich als Designer für Unternehmen nach dem Prinzip der “10 Heuristiken” Userinterfaces und Webseiten. Durch Zufall bin ich durch die AMOK-Fälle in Deutschland seit 2009 mit dem Thematik der Leitsysteme und Orientierung in Berührung gekommen. Entwickelt wurde das Farbleitsystem (FLS). Mittlerweile wird es bundesweit an Schulen und öffentlichen Gebäuden von uns realisiert. Gerne tausche ich mich mit Planern, Betroffene, Kritiker oder Befürworter aus und erkläre gerne, was ich mir bei der Entwicklung gedacht habe. Leider gibt es einige Menschen, die gerne ohne mein Wissen über die Vor- und Nachteile eines einheitlichen Systems urteilen und ein Dialog mit mir meiden, was ich sehr schade finden. Auch bin ich mir sicher, daß ich mit meinen Thesen nicht immer richtig liege oder auch Sachen vielleicht falsch interpretiere. Wenn dies der Fall ist, freue ich mich auf eine Gegendarstellung, um mich zu überzeugen und die Sachen richtig zu stellen.